Ausgehandelt.

Handel und Logistik sind doch nicht von gestern! Drei junge Menschen sprechen über ihren Werdegang.

Einzelhandelskaufmann-Azubi Franz, 21, erstellt und kontrolliert ein Sortiment aus 30.000 Gütern, Handelsmanagement-Student Michael, 23, leitet eigene Verkaufsbereiche und Logistik-Studentin Eva-Maria, 23, plant Transportwege über mehrere Kontinente. Das Ziel aller drei: Dem Kunden auf dem Markt als Erster, und möglichst günstig, ein frisches und großes Sortiment zu bieten.


Michael, Eva-Maria und Franz im Gespräch Foto: Said Burg

In einer Warenlagerhalle bei Ingolstadt sitzen Eva-Maria, Michael und Franz. Um sie herum düsen kleine gelbe Gabelstapler, Ameisen genannt. Sie verteilen palettenweise Schokoriegel, Plasteflaschen und Fertigsoßen in Tonnen über Laderampen auf LKWs.

Michael So wie der Handel heute aussieht, wird er schon in wenigen Jahren nicht mehr existieren. Wir leben in einem ständigen Wandel und schaffen es, uns immer stärker an den Wünschen der Kunden zu orientieren.

Franz Die Wünsche der Kunden sind wichtig, denn die sind es gewohnt, dass sie in den Supermarkt gehen und dort jederzeit alle Produkte kaufen können.

Die Welt des Handels dreht sich immer schneller. Doch welchen Platz nehmen die Drei in dieser Welt ein?

Berufe im Bereich Handel und Logistik

Michael Vor meinem Studium war Logistik für mich ein Job für Langweiler im grauen Outfit, die in Büros sitzen oder Waren auf Lastwagen verteilen. Eva-Maria passt überhaupt nicht in dieses Klischee.

Eva-Maria wirkt im grünen Sommerkleid wirklich nicht langweilig. Sie fährt aber auch nicht mit einem LKW durchs Land…

Eva-Maria Ich bin jetzt seit drei Jahren bei DHL Global Forwarding und weiß, dass Logistik weit mehr ist als Lkw fahren. Ein Mensch, der um die Welt reist, braucht einen Reisepass und ein Flugticket. Der Versand von Waren sieht ähnlich aus. Jede Sendung benötigt Dokumente, um dann per Schiff, Flugzeug, Bahn oder LKW transportiert zu werden. Bis sie dann beim Endempfänger landet.

Michael Bei der Warenannahme beginnt mein Job. Alle drei Monate arbeite ich bei Media Markt. Dort bin ich für die Annahme der Waren, für größere Aktionen rund um unser Sortiment oder einfach für Projekte hinter den Kulissen wie Inventur oder die verbesserte Abwicklung im Service-Bereich zuständig. Wenn große Messen wie die IFA oder die GamesCom statt finden, fahre ich dorthin, um nach neuen Produkten Ausschau zu halten.

Franz Auch für mich endet der Job nicht an der Kasse. Bei Edeka kümmere ich mich um die Bestellung der Waren, um die Abnahme der Waren, um Warenpflege, um die Warenpräsentation und berate im Markt die Kunden. Ich versuche dem Kunden die Waren schmackhaft zu machen.

Eva-Maria Für meine Kunden muss ich jedes Mal die perfekte Handelskette und das richtige Transportmittel finden. Außerdem kläre ich den internationalen Handel rechtlich ab. In jedem Land gibt es unterschiedliche Ein- und Ausfuhrbestimmungen, die wir beachten müssen. Hier brauchen wir Mitarbeiter, die sich genau mit diesen Bestimmungen auskennen und die jeweilige Landessprache beherrschen.

Franz Für den weltweiten Transport von Waren ist also immer eine komplizierte Planung nötig?

Eva-Maria Ja, wenn wir Fracht in Flugzeuge einbuchen, müssen wir uns mit den Abmessungen, Gewichten und dem Inhalt der Sendung sowie einzelnen Flugzeugtypen, Beschränkungen und Flugrouten auseinandersetzen. Aufgabe des Spediteurs ist es, den Transport zu organisieren. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Auf bestimmten Routen ist zum Beispiel der Frachtraum sehr knapp, da einige Länder mehr ex- als importieren. Der Frachtraum auf dem Transport von China nach Deutschland ist teurer als andersrum. Das hängt damit zusammen, dass mehr Waren aus China nach Deutschland kommen, als wieder zurück gehen. Es gibt Bücher, in denen Flugpreise, Flugzeugtypen und Flugrouten gelistet sind. Das sieht aus wie ein Fahrplan an der Bushaltestelle – nur viel größer.

Michael Das kenne ich – nur von der anderen Seite. Die Waren aus Fernost sind lange unterwegs, wenn wir heute bestellen, sind sie oft erst nach einer Woche da. Wenn ich nicht aufpasse, können Bestandslücken entstehen.

Franz Wir bekommen jeden Morgen frisches Obst und Gemüse angeliefert. Dafür sind verschiedene Vorschriften, zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum, zu beachten. Wir müssen es schaffen immer frische Produkte anzubieten und gleichzeitig alle 30.000 Produkte, die wir normalerweise verkaufen, vorrätig zu haben.

Ohne den Überblick geht nichts

Eva-Maria Wie behält man bei 30.000 Produkten den Überblick?

Franz Wir kontrollieren das über Renner-Penner-Listen. Sie erfassen, welche Artikel wie warme Semmeln weggehen und welche Artikel Ladenhüter sind. Dann überlegen wir, wie viel wir von einem Produkt verkaufen werden und bestellen das.

Eva-Maria Dafür muss ich mich teilweise mit politischen Themen auseinandersetzen: zum Beispiel mit den Piratenüberfällen an der Küste von Somalia. Die Überfälle haben zur Folge, dass die Reedereien ihre Schiffe besser schützen und höher versichern müssen. Teilweise verlangen die Reedereien sogar schon einen Piratenzuschlag.

Michael Piraten kenne ich zum Glück nur aus dem Kino…

Eva-Maria Wir sind eben schnell mal auf einem anderen Kontinent. Deswegen ist es auch nicht so einfach sich selbstständig zu machen. Klar, man kann sich ein paar Lastwagen kaufen und eine eigene Spedition aufbauen. Aber um Waren rund um den Globus zu versenden, ist ein weltweit umspannendes Netzwerk von Niederlassungen gefordert. Da ist der Schritt zur Selbstständigkeit nicht von heute auf morgen gemacht.

Michael Das ist bei mir zum Glück einfacher. Nach meinem Studium kann ich Geschäftsführer eines eigenständigen Media Marktes werden. Als Geschäftsführer entscheide ich selbst, welche Waren ich zu welchen Preis verkaufe…

Franz …das kann ich auch. Entweder eröffne ich auch einen selbstständigen Markt mit Privatvermögen oder ich leite einen Markt, der Edeka gehört. Wenn ich mich anstrenge, bin ich vielleicht bald Besitzer meines eigenen Ladens.

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Berufe im Bereich Handel und Logistik

Dualstudium Handelsmanagement
Neben der Arbeit im Markt werden die Studenten verstärkt in Betriebswirtschaft, Marketing und Logistik unterrichtet. Später leiten sie Märkte oder Verkaufsbereiche. Immer mehr Universitäten und Fachhochschulen bieten duale Studiengänge im Handel an. Zum Beispiel die FH Ingolstadt, die HS Bremen, die Privathochschule Brühl oder die FH Worms. Für das duale Studium ist eine Fachhochschulreife Voraussetzung.

Dualstudium Logistik
Aufgaben in der Logistik sind die Organisation des Versands von Waren mit Transportmitteln wie Bahn, LKW, Schiff und Flugzeug. Das duale Studium an Berufsakademien, Fachhochschulen und in den Betrieben dauert drei Jahre. Die Ausbildung wechselt zwischen Uni und Ausbildungsbetrieb im Dreimonatstakt. Das Studium beinhaltet vertiefte Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Logistik und Marketing. Voraussetzung für das duale Studium an Berufsakademien und Fachhochschulen ist ein Fachabitur.

Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel
Kaufleute im Einzelhandel erstellen Sortimente, beraten Kunden, bestellen und verkaufen Waren. Auch Buchhaltung und Personalführung können zu ihren Aufgaben gehören. Einzelhandelskaufmänner/-frauen werden in Supermärkten, Gemüseläden oder auch in Fahrradverleihen eingesetzt. Die Ausbildung in Berufsschule und Ausbildungsstätte dauert drei Jahre.

Erschienen in: SPIESSER, September 2009, bundesweit

2 Antworten zu „Ausgehandelt.“

  1. little-sexy sagt:

    Netter Bericht, ich werde jetzt auch gleich mal weiter blättern hier. Bis später.

  2. Logistiker sagt:

    Das ist Fakt, Logistik sit mehr als LKW fahren. Bzw. steht das LKW Fahren ja gut am Ende der Logistikkette.
    Logistik bezieht sich aber auch nicht nur auf den Transport. Auch Informationslogistik ist der klaren Zuordnung LOGISTIK.

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