StuStaCulum-Festival in München: Kulturesker Biergenuss

blog_bierStatt Flatrateparty und Trash-TV: Studenten schaffen sich mit Musik, Theater und Bier vom Fass eine eigene Kultur. Von Hannah Rex und F. Scheidl.

Früher Nachmittag, strahlender Sonnenschein. Das Festivalgelände ist leer. Die Studenten schlummern in ihren Buden und verarbeiten die Nachwehen der letzten Festivalnacht. Richtig aufnahmefähig ist niemand: Das müssen auch „Fake the Band“ feststellen, die in einem fast leeren Festzelt spielen.

Gleichzeitig beschallt „Markus Nagy“ die träge Masse einiger Sonnenbadenden auf der grünen Wiese des Atriums. Hier gilt die Devise: Nur keine Bewegung zu viel, denn die Kraft muss für die Feierei am Abend reichen.

Im Konzertraum des Café Dada sind die Fenster mit schweren schwarzen Vorhängen verdunkelt. Hier ist es kühl und angenehm. Das gefällt den Besuchern: „Hier kann ich es aushalten, da blendet die Sonne nicht so und das schont die schweren Köpfe“, lacht ein Student, mit einem Glas Weißbier in der Hand. Liedermacher „El mago masin“ erzählt auf der Bühne nebenbei von seinem Leben als Minigolfer.

Nebenan gastieren „Jukevox“, die fünf A-Capella-Jungs singen vom Morgen danach und wie man ihn am besten nicht beginnt. Dazu gibt’s einen Schluck kühles Bier für die Zuschauer und jede Menge Wasser für die Interpreten.

Es dämmert: Familien, die den Tag auf dem StuStaCulum genossen haben ziehen sich zurück. Es ist Zeit für die Nachtschwärmer. Länger und länger werden die Schlangen vor den Biertresen. Die Studenten interessieren sich mehr für die Getränke, als für Musik und Theater auf dem Gelände. Spielten die Bands nachmittags fast für sich selbst, weil sich die Besucher noch in ihren Wohnungen in Stimmung tranken? Menschenleere Ausstellungsräume, weil das Bier wichtiger ist, als die Kunst?

„Feiern mit Freunden, Musik und Bier. Festivals sind einfach Kult.“, sagt Student Jonas, als wir ihn am Bierstand fragen, warum er nicht lieber Gemälde betrachtet oder den Bands im Café Dada lauscht.

Macht die Mischung also die Kunst? Und ist ein gelebter Kult einfach mehr Kultur, als eine Ausstellung oder ein Konzert je bieten können? Studentin Anna schätzt das StuStaCulum-Festival: „Kunst gemeinsam erleben und diskutieren, Spaß dabei haben und ein paar Tage im Ausnahmezustand verbringen. Jugendkultur pur eben.“

Um halb eins schlägt in der Studentenstadt die letzte Band ihre Töne an, wenn diese verklingen ist auf dem StuStaCulum noch lange nicht Schluss: Die Party geht weiter mit viel Bier vom Fass und Musik aus der Konserve. In der Disco oder den Appartements wird gefeiert. Denn irgendwie müssen sich die Studenten die Zeit bis nächsten Nachmittag vertreiben – mit Kultur.

Erschienen in: Politikorange/Kulturorange zum StuStaCulum 2009

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