
Sie bezeichnen sich als die Schönen und Reichen: Die Mitglieder der Münchner Hip-Hop-Gruppe „Die Stehkrägen“ vom Label Aggro Grünwald. Seit letzem Jahr rappen die reichen jungen Erwachsenen über ihre elitäre Welt. Am 4. Juli kommt ihr erstes Album „Aus Gutem Haus“. Wir haben Bon C., alias Benedikt H. C. Sabesa-Loyduldt, und MC Erbgraf, alias Konstantin Kress zu Krassenstein-Seyn, in luxuriöser Atmosphäre auf der Dachterrasse des Münchner Nobelhotels „Bayerischer Hof“ getroffen.
Jetzt wollen wir mal sehen, ob ihr es auch verdient euch reich und dekadent zu nennen: Welcher Champagner der folgenden drei ist am teuersten? a) Mercier, b) Veux Devaux oder c) Moet Chandon?
MC Erbgraf: Einer von den Ersten beiden. Obwohl ich alle trinken würde. Wichtig ist es nur zu wissen, welcher Champagner billig ist. Sowas trinken wir dann nicht.
Leider falsch. Moet Chardon kostet 200 Euro die Flasche. Die anderen kosten um die 30 Euro.
MC Erbgraf: Lass uns mal eine Flasche Moet Chardon kommen!
Gerne. Bis der Kellner kommt die nächste Frage: Was ist ein Birdie beim Golf?
MC Erbgraf: Ich spiele Tennis.
Bon C: Keine Ahnung. Wenn ich Sport machen will, gehe ich ins Fitnessstudio. Golf ist im Wägelchen durch die Gegend fahren, Freunde treffen und Champagner trinken. Golf ist ein soziales Event.
Wenn ihr schon nicht Golfen geht, müsst ihr zumindest wissen, bei welchen Satz in Deutschland der Spitzensteuersatz liegt.
Bon C: Keine Ahnung. Da müsste ich jetzt meine Sekretärin anrufen.
MC Erbgraf: Ich glaube mich erinnern zu können, dass mein Vater es nie einsah, 40 bis 50 Prozent seines Einkommens zu versteuern.
Gut. Aktuell liegt er bei 45 Prozent .
MC Erbgraf: Man muss ja nicht bei jeder Steuer mitmachen. Wenn Steuern in den Auobahnbau fließen, zahle ich sie gerne. Wenn mit der Ökosteuer Renten bezuschusst werden, ist das eine Frechheit.
Wasserhähne aus Gold
Jetzt mal ehrlich: Mein Haus, meine Villa, meine Limousine, meine Yacht. Das klingt nach richtigen Spießern, oder?
MC Erbgraf: Den Spießer mit ´ner Yacht möchte ich sehen! Spießig ist es nur unter einer gewissen Einkommensgrenze. Wenn man einen Polo kauft, der dann aber keinen Kratzer haben darf zum Beispiel. Wir spielen Polo. Ab unserem Vermögen ist Geld nur ein Mittel, um Menschen in Gute und weniger Gute einordnen zu können.
Bon C: „Arbeit ist etwas Schlechtes. Wenn Arbeit gut wäre, würden wir auch arbeiten.„ |
Manche Leute behaupten ihr Zieht nur eine Show ab. Die behaupten ihr hättet kein Geld.
Bon C: Solche Leute habe ich noch nie getroffen. Das sind Neider, die es sich nicht leisten können in unseren Kreisen zu verkehren.
Was ist in Euren Elitären Kreisen denn so besonders? Habt ihr alle Wasserhähne aus Gold?
MC Erbgraf: Viele prahlen mit goldenen Wasserhähnen. Die sind natürlich nur vergoldet. Ein Problem ist nämlich, dass Gold gerne geklaut wird – vom Personal oder nicht so gut gestellen Besuchern. Nicht, dass ich es nötig hätte den Dieben hinterherzulaufen, aber es ist einfach ärgerlich wenn der Wasserhahn fehlt. Deswegen wird bei uns nur vergoldet.
Bon C: Und stell Dir mal vor, ich verliere mein goldenes I-Phone. Das findet dann womöglich jemand, der das Luxusgerät gar nicht verdient hat.
Ihr habt euch den Reichtum ja nicht erarbeitet. Fühlt ihr Euch nicht schlecht als reiche Muttersöhnchen?
MC Erbgraf: Reich ja, aber bitte Vatersohn. Bei uns gab es noch nie eine Frau in der Familie, die gearbeitet hat. Das Geld kommt von der väterlichen Seite. Und ich brauche mich nicht für das Geld zu schämen, was mein Vater verdient hat. Das sehe ich nicht ein.
Bon C: Das ist doch alles purer Neid! Sowas sagen nur Menschen die arbeiten müssen. Denn Arbeit ist etwas Schlechtes. Ich meine: wenn Arbeiten gut wäre, würden auch wir arbeiten.
Apropos Arbeit: Was treibt ihr denn den ganzen Tag?
MC Erbgraf: Ich gehe gerne auf den Golfplatz oder spiele Tennis. Und dann studiere ich natürlich auch noch an der LMU in München BWL. Aber zum Glück stehen die Professoren auf kleine Geschenke. Sonst hätte ich langsam ein Problem.
Bon C: Wir fliegen nach London zu Freunden und haben auch Verpflichtungen. Wir müssen herhalten, um die Firmen unserer Väter zu präsentieren.
Fehlgriffe beim Kaufrausch garantiert
Wie ist das denn, wenn man reich ist? Kauft ihr nicht dauernd Sachen, die ihr eigentlich nicht braucht, oder Kleidung, die ihr nie anzieht?
Bon C: Ich ziehe meine Sachen generell nur einmal an. Da ist ein Fehlgriff dann auch nicht schlimm.
MC Erbgraf: Meine Mutter kauft meine Kleidung. Sie hat immerhin den ganzen Tag frei um das Haus und mich zu dekorieren. Nur weil die Sachen teuer sind, heißt es aber nicht immer, dass die Sachen gut aussehen. Es zeigt nur, dass wir Geld haben.
Bon C: Ich hoffe nicht, dass meine Haushälterin meine alten Klamotten in die Kleidersammung gibt. Am Schluss trägt ein Möchtegern-Reicher meine Gucci-Jacke.
MC Erbgraf: „Geld ist ein Mittel, um Menschen in Gute und weniger Gute einzuordnen.“ |
Was macht ihr, wenn ihr einen Punk auf der Straße trefft, der Euch um ein paar Euro für ein Bier anschnorrt.
Bon C: Geld gebe ich grundsätzlich nicht her. Der benutzt das nur, um eine linke Revolution anzuzetteln. Ich habe einem Obdachlosen mal bei Dallmayer ein Lachssandwich gekauft.
MC Erbgraf: Aber wenn dem Yachtbesitzer von nebenan der Champagner ausgeht, helfen wir natürlich gerne mit einer Flasche aus. Das ist selbstverständlich!
30 Minuten harte Arbeit für ein Album
Segeln, Tennis, Studieren: Aus purer Langeweile scheint euer Album also nicht entstanden zu sein?
MC Erbgraf: Wir haben nur einen Song gemacht, den wir noch selbst geschrieben haben. Wir hatten nie vor das ganze Album zu produzieren. Dann haben unsere Eltern aber gesagt: Wenn ihr schon etwas versprecht, dann müsst ihr es auch durchziehen. Das ist mir eigentlich neu gewesen. An so etwas hat sich in unserer Familie noch niemand gehalten. Jetzt haben wir Autoren beschäftigt, um unsere Eltern zufriedenzustellen und das Album fertigzustellen. Aber jeder von uns musste immerhin persönlich eine halbe Stunde einsingen.
Ihr seid der Gegenspieler zu Aggro Berlin. Für euch bedeutet Aggro: Aktien, Geld, Grundbesitz, Rendite und Opulenz. Wie wollt ihr denn sichergehen, dass euer Album nicht an einen Sido-Fan verkauft wird?
MC Erbgraf: Das Album wird 400 Euro kosten. Für Reiche wie uns ist das kein Problem. Das goldene Album gibt s in einer Mahagoni-Kiste mit rotem Sand. Das ist dann eine Diskriminierung über den Preis. Vielleicht stellen wir es noch bei I-tunes online. Da kann man sich ja auch nur anmelden, wenn man eine Kreditkarte hat. Und sowas besitzen die bildungsfernen Schichten nicht, die bekommen höchstens eine Prepaidkarte.
Bon C: Ich weiß noch nicht, ob unser Label noch eine Version für Normalverdiener veröffentlicht. Aber solange die Platte nicht bei Karstadt auf dem Wühltisch landet, ist uns alles recht.
Interview: Felix Scheidl, Fotos: Aggro-Gruenwald
Das Album der Stehkrägen gibt s ab dem 4. Juli auf www.aggro-gruenwald.de
Erschienen auf: spiesser.de