Bekenntnisse eines Hauptschülers: “Wir sind ganz normal!”
In Deutschland gibt es knapp eine Million Hauptschüler. Dass sie Schüler zweiter Klasse ohne Zukunftschancen seien, kann man fast jeden Tag in der Zeitung lesen. Aber wie sehen sie das eigentlich selbst? Hier erzählen Hauptschüler von ihrer Schule, ihren Plänen und ihrem Umgang mit den Vorurteilen.
“Ich bin ein ganz normaler Jugendlicher, wie jeder Gymnasiast auch.”
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Marvin, 16, Wilhelm-Conrad-Röntgen-Volksschule, Weilheim:
“Viele denken, Hauptschüler wären gewalttätig und schlecht erzogen. Wirklich schlimm sind aber nur die wenigsten. Ich bin ein ganz normaler Jugendlicher, wie jeder Gymnasiast auch, nur habe ich eben kaum Bock zu lernen.
Wir Hauptschüler haben unsere Qualitäten. Viele können gut malen oder werken. Ich kann saugut mit Computern umgehen und bin auch sehr stolz darauf. Ich schraube viel an der Hardware rum - dabei kann ich stundenlang vor einem Problem sitzen und versuchen, eine Lösung zu finden. In der Freizeit helfe ich Freunden, wenn ihr Computer nicht mehr geht.
Um leichter einen Ausbildungsplatz zu finden, machen wir schon in der achten Klasse Praktika: Ich habe eines als KFZ-Mechatroniker und eines als Hausmeister gemacht. Das war beides nichts für mich. Ich will was mit Computern machen. Das Problem: Viele Firmen geben dir als Hauptschüler keine Chance. Die sehen dich als Hauptschüler und sagen “Nein, danke.”
Nach der neunten Klasse werde ich den Hauptschulabschluss machen. Die mittlere Reife würde ich nicht schaffen - dafür ist der Stoff zu schwer und bin ich zu faul. In meinem Zeugnis stehen derzeit fast nur Dreier und Vierer, und zwei Fünfer. Aber ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ und habe ein gutes Ego. Wer wirklich Bock auf Arbeiten und eine Ausbildung hat, findet auch eine Ausbildungsstelle - zumindest, wenn man sich aus Schlägereien raus hält und keine Anzeigen bei der Polizei sammelt.”
Erschienen in: SPIESSER