Mit viel Schwung ins Tal

Als Jugendskilehrer in den bayerischen Alpen

Phillip Knauer

Bayern – ein Wintermärchen. Strahlender Sonnenschein taucht die schneeweiße Skipiste am Hörnle bei Bad Kohlgrub in helles Licht. Fröhliches Lachen und aufgeregte Stimmen erfüllen die kalte Winterluft. Zwischen zahlreichen gut und auch weniger gut trainierten Skifahrern/innen sticht eine kleine Gruppe hervor. Etwa sieben Kinder versammeln sich auf der Piste um ihren Skilehrer Philipp und warten gespannt auf Anweisungen.

Philipp Knauer (17) betreut heute die Anfängergruppe des Skikurses, und er hat eine Liste an Übungen im Kopf, die den Fahrstil der zukünftigen Pistenrowdies spielend verbessern sollen. “Jetzt beim Fahren die Hände auf die Knie“, sagt er. Die Gruppe kennt die Übung. Sie ist wichtig, damit man auch in steilen Pisten das Gleichgewicht halten kann. Philipp fährt im Pflugbogen in großen Kurven voraus die Piste hinunter. Die Nachwuchsrennfahrer/innen folgen mit wenigen Metern Abstand und den Händen auf den Knien. Nach einer Schleppliftfahrt dann die nächste Übung: “Jeder sucht sich jetzt einen Partner. Ihr fahrt Hand in Hand.“ Philipp schnappt sich schon mal einen Schüler und fährt voraus.

Gruppenleiter auf der Piste

Es ist der letzte Tag einer einwöchigen Skifreizeit, die jedes Jahr von der Peißenberger Ortsgruppe des Deutschen Alpenvereins veranstaltet wird. Tagsüber stehen die 33 Kinder und Teenager zwischen acht und zwölf Jahren mit ihren vier Skilehrern auf der Piste. Abends treffen sich alle in einer Berghütte: zum Essen, Spielen und Schlafen. Trotz der ausfüllenden und anstrengenden Arbeit ist Philipp von seinem Job begeistert: “Es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Und sicher wünsche ich mir nach einem Sechzehnstundentag mit den Kids auch mal meine Ruhe. Aber für den ganzen Spaß, den wir gemeinsam haben, lohnt es sich wirklich“, sagt er.

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Drei der Übungsleiter haben bereits ihre Ausbildung zum Skilehrer absolviert. Philipp arbeitet noch als Hilfsskilehrer, will aber dieses Jahr seine Prüfung beim Deutschen Skiverband ablegen: Drei Lehrgänge mit je zehn Tagen Theorie- und Praxisunterricht warten auf ihn. Philipp wird alles über Pisten und Schnee lernen, über Lawinen, über Skitechnik bis hin zur Ersten Hilfe. Dass der 17-Jährige jetzt schon Übungsleiter ist, verdankt er seiner Erfahrung: Philipp steht seit seinem viertem Lebensjahr auf Skiern. Vor ein paar Jahren fuhr er noch als Teilnehmer bei Skikursen mit. Jetzt betreut er neben der Schule Ski- und Snowboardkurse.

Sieg der Schnelligkeit

Es ist Nachmittag, die Sonne bewegt sich zielstrebig Richtung Westen. Das Abschlussrennen steht an. 33 aufgeregte Teenager und Kinder warten am Hang oberhalb eines abgesteckten Hindernisparcours. Lucy startet. Die zwei scharfen Kurven meistert sie mit Bravour. Schnee fliegt aus der Bahn, die Kanten der Skier knirschen. Jetzt folgen zwei Schanzen. Philipp steht daneben und schreit: “Lucy, Hände nach vorne beim Springen!“ – “Lucy!“ schreien nun auch die anderen. Nach der zweiten Schanze folgt eine weitere Kurve. Dann muss Lucy zwei Meter den Hang hinauf sprinten. Skilehrer Richard stoppt die Zeit: „Das gibt drei Strafsekunden. Du bist einmal außerhalb der Markierung gefahren.“ Lucys Atem geht hektisch, aber ihr Gesicht strahlt vor Freude. Die Regeln des Rennens seien nicht so wichtig, meint Philipp. Viel wichtiger sei der Spaß.

Alle Jungskifahrer/innen sind schnell und sicher am Ende des Parcours angekommen. Es dämmert. Auf Skiern fährt die Gruppe durch den Wald zu der etwa 500 Meter entfernten Hütte. Von Müdigkeit keine Spur. Voller Energie packen drei der Kleinsten Philipp von hinten und ziehen ihn durch den Schnee. Eine Schneeballschlacht beginnt, in die bald alle Skilehrer und die meisten Kinder verwickelt sind. Was nach einer Schulhofrauferei aussieht, macht den Kindern Freude. Die Haare und das Gesicht voller Schnee lacht Philipp: „So geht das hier jeden Abend zu. Und alle haben ihren Spaß dabei.“

Hüttenspiele bis in die Nacht

In der Hütte ist es keinen Deut ruhiger: Fünf Mädchen versuchen kichernd, sich an Philipps Hose festzuklammern. Die Jungs spielen Karten neben dem Kachelofen. Gegen halb sieben wird zum Essen gerufen und Philipp ist sofort vergessen – Kaiserschmarrn ist für die Mädels eben doch wichtiger. Philipp hat jetzt kurz mal Ruhe, Zeit, um zu duschen und mit den anderen Betreuern/innen zu essen. Sebastian und Richard, zwei andere Skilehrer, unterhalten sich schon über die Skifreizeit im nächsten Jahr. Philipp wollen sie wieder dabeihaben. „Er kann sehr gut mit den Kleinen umgehen“, lobt Sebastian.

Später steht eine Fackelwanderung an und dann verschiedene Hüttenspiele. Feierabend hat Philipp erst nach zehn Uhr abends – da sind die Kinder im Bett und langsam kehrt Ruhe ein. Dann wird er auf der Bank im Aufenthaltsraum wenige Stunden Schlaf finden – die Betten sind nämlich alle belegt.

Herwig, 19, aus Potsdam und Scheidl, 20, aus Weilheim in Oberbayern machen dieses Jahr Abitur und schreiben regelmäßig für Print- und Onlinemedien. Für ihre Skilehrerreportage stellten sie sich einen Tag mit wackeligen Beinen auf Carving-Ski.

Fotos: Maria Herwig, Felix Scheidl

Erschienen auf: fluter.de

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