Abi und dann?

Was treiben die Abiturienten des Jahres 2007 heute? Wir haben bei drei ehemaligen Abiturienten, mit unterschiedlichen Abiturnotendurchschnitten, nachgefragt.

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Ob Robben retten, Bäume im Regenwald pflanzen, eine Lehre beginnen oder gleich ins Studium stürzen: Jeder hat seinen eigenen Traum vom Leben nach dem bestandenen Abitur. Während es sich einige in der freien Zeit auf dem Sofa vor dem Fernseher gemütlich machen, schweifen andere nach den bestandenen Prüfungen sofort in die Ferne.

Die Einserschülerin: Michaela Herz – 1,0 – Oberbayern

So auch Michaela Herz aus dem oberbayerischen Hohenpeißenberg: Sie hat ihre Abiturprüfung 2007 erfolgreich mit einem Notendurchschnitt von 1,0 bestanden. „Ich war schon überrascht, dass ich das so gut gemeistert hatte“, so Michaela. Anschießend schrieb sie sich für ein Medizinstudium in Würzburg ein. Das vor dem Medizinstudium vorgeschriebene Pflegepraktikum absolvierte sie teilweise in Ecuador: Dort arbeitete sie zwei Monate in einer Privaten Klinik in Quito – der Hauptstadt Ecuadors. „In Südamerika läuft vieles anders: Mir ist aufgefallen, dass sich die Ärzte mehr Zeit lassen. Trotzdem war alles sehr sauber – nur die technischen Geräte waren leicht veraltet“, erzählt Michaela.

Während Michaela noch in Equador arbeitete, suchte ihre Mutter eine Wohnung für sie in der neuen Heimat Würzburg. Inzwischen ist Michaela umgezogen; das Medizinstudium hat begonnen. Jetzt muss sie sich durch Studienfächer, wie Chemie, Physik, Biologie, Histologie und Zell- und Gewebekunde kämpfen. Dazu kommt Terminologie – hier muss Michaela griechische und lateinische Fachwörter pauken. Am Nachmittag folgen Praktika in den verschiedenen Fächern. „Ich habe das Gefühl, dass alles zu schnell geht, aber wenn ich den Stoff gründlich wiederhole, ist es verständlich“, sagt Michaela. Das Abitur betrachtet sie jetzt im Nachhinein als vergleichsweise einfach. Mit dem Studienplatz in Würzburg ist ein Traum für Michaela in Erfüllung gegangen: „Ich wollte schon immer Medizin studieren und weil mich Schule meist interessiert hat und ich viel gelernt habe, standen mir nun alle Türen offen“, meint Michaela.

Die Weltenbummlerin: Katharina Schwerke – 1,6 – Ruhrgebiet

Bei Katharina Schwerke aus Recklinghausen hat es nicht ganz für ein 1,0-Abitur gereicht. Dennoch ist sie mit ihrem Abiturnotendurchschnitt von 1,6 mehr als zufrieden. Denn neben dem Lernen engagierte sich Kathrina noch in der Abiturzeitungsredaktion und stellte mit ihren Klassenkameraden den Abiturball auf die Beine.

Wie auch Michaela stieg Katharina nach bestandenem Abi erst einmal ins Flugzeug: „Ich bin mit meiner Mutter, meiner Patentante und deren Tochter eine Woche lang in New York gewesen – Das habe ich als Belohnung zur bestandenen Abiturprüfung geschenkt bekommen.“ Kaum war Katharina von ihrem Kurzurlaub wider zuhause ging es für sie wieder ins Ausland: „Mitte August bin ich dann mit TravelWorks für zwei Monate nach Indien geflogen und habe dort einen Freiwilligendienst geleistet.

In Neu Delhi angekommen, besuchte sie mit 40 weiteren Freiwilligen aus aller Welt ein Seminar, das den Helfern die indische Kultur, das Kastensystem und den Hinduismus näher bringen sollte. Den Rest der Zeit arbeitete sie dann in einem Day Care Center – einer Art Kindertagesstätte. „Hauptsächlich brachte ich zwei- bis vierjährigen Kindern spielend die englische Sprache bei. Das war eine tolle Erfahrung“, erzählt Katharina. Trotz Arbeit blieb ihr am Wochenende noch ausreichend Zeit, um Sehenswürdigkeiten in der Umgebung abzuklappern.

Nun ist Katharina wieder in Deutschland. Für ihr Studium der Filmwissenschaften und der Philosophie ist sie nach Mainz gezogen. Ihre Ziele in naher Zukunft: „Am liebsten würde ich viele Auslandssemester einlegen und durch die Weltgeschichte reisen.“ Nach viereinhalb Jahren Studium will sie dann wieder durch die Welt reisen; dann allerdings als Regisseurin um Filme in exotischen Ländern zu drehen.

Der Engagierte: Christoph Baierl – 3,3 – Oberpfalz

Bei Christoph Baierl aus Pleystein in der Oberpfalz hat das Lernen nicht für einen exzellenten Abiturschnitt gereicht. Er beendete seine Schullaufbahn mit einem Notendurchschnitt von 3,3. Denn neben der Schule gab es viele wichtige Dinge für Christoph: Er betreute Jugendgruppen, sang in einer Band und in einem Chor. Nach dem Abitur arbeitete er wieder verstärkt ehrenamtlich für die Kirche und organisierte einen Gottesdienst für 700 Jugendliche. „Meine Eltern wollten dann, dass ich Lehramt studiere, aber da hatte ich keine Lust drauf“, sagt Christoph.

Nebenbei schrieb er Bewerbungen: eine für einen Ausbildungsplatz zum Mediendesigner und eine an den lokal ansässigen Radiosender Radio Ramasuri. Die Antworten kamen prompt: Für den Beruf des Mediengestalters war Christoph überqualifiziert. Beim Radio wurde er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. „Die haben sich nicht wirklich für meinen Abiturnotendruchschnitt interessiert – im Gegenteil: viel wichtiger waren ihen meine ehrenamtliche Tätigkeiten neben der Schulzeit“, so Christoph. Er hatte Glück: Auch der für die Vergabe von Praktika zuständige Mitarbeiter vom Radiosender spielt in einer Band. „Wir waren uns also sofort sympathisch und hatten ein Gesprächsthema“, erzählt Christoph. Er hatte den Praktikumsplatz.

Noch bis Dezember wird Christoph in der Redaktion des Senders als Praktikant arbeiten. Er ist begeistert: „Ich schreibe Moderationen, mache Umfragen und Interviews und schneide Beiträge. Besonders Interviews mit Bands sind sehr interessant – ich liebe Musik. Und da ich privat gerne auf Konzerte gehe, kann ich so mein Hobby sogar zum Beruf machen“, meint Christoph. Inzwischen spekuliert er auf einen Ausbildungsplatz bei Radio Ramasuri. Und seine Chancen stehen nicht schlecht. Immerhin bevorzugen die Sender ehemalige Praktikanten.

Aber auch ein Gesangsstudium steht noch auf Christophs Wunschliste. Sein Traum wäre es neben dem Studium als freier Mitarbeiter für den Radiosender zu jobben. Christoph zeigt, dass Erfolg nicht zwingend vom Abiturnotenschnitt abhängen muss. Wichtig ist eher eine Mischung aus guten Leistungen, Engagement und Begeisterungsfähigkeit. Wenn Michaela, Katharina und Christoph diese drei Eigenschaften auch weiterhin beibehalten, kann ihnen auf ihrem Karrierepfad nicht mehr viel im Weg stehen.

 

Erschienen in: Abi-Q

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