Profiboarder Marco Smolla: Rumhocken kann ich zu Hause
Marco Smolla, 18, ist die Nachwuchshoffnung der deutschen Snowboardszene. SPIESSER hat ihn auf dem Air’n'Style in München getroffen. Nach seinen spektakulären Sprüngen sprach er mit uns über Angeber auf der Piste.
Hi Marco!
(Marco fixiert den Fernseher im Pressezentrum, der die Sprünge seiner Snowboardkollegen live überträgt.) Sorry, aber wenn ich auf den Fernseher schau, dann ist das wie wenn ich euch in die Augen sehen würde.
Das sind wahnsinnige Sprünge. So lässt es sich vor den Freunden angeben. Hast du deshalb damit angefangen?
Nein. Ich wollte einfach nur raus in den Schnee. Ich fahre jetzt auch schon seit acht Jahren Board und seit fünfeinhalb Jahren für Nitro - meinen ersten Sponsor. Schon als Kind bin ich Skateboard gefahren. Und da war es nahe liegend, dass ich das Boarden auch als Wintersport ausüben werde.
Aber viele Fahrer hocken den ganzen Tag auf der Piste und lassen sich bewundern.
Wenn ihnen das Spaß macht, können sie gerne auf der Piste sitzen. Ich setzte mich auch gerne mal auf die Piste und schaue anderen Fahrern zu, aber was mir wirklich Spaß macht, ist das Fahren. Rumhocken kann ich zu Hause auch.
Aber beim Rumhocken sehen die anderen Fahrer zumindest eure Markenklamotten.
Snowboarden ist ein Trendsport - das hängt eben auch mit Mode zusammen. Die Lifestyle-Mode aus dem Alltag überträgt sich auf die Piste. Manche leben das mehr, andere weniger aus.
++++++++++++ Das Air’n'Style in Zahlen ++++++++ Das Air & Style ist eines der größten Extremwintersportevents weltweit:
28 000 Zuschauer ließen sich von Exremsportlern und Musikern begeistern. +++ 3000 Kubikmeter Schnee produzierten die Veranstalter. +++ 400 Journalisten reisten für das Air’n'Style an. +++ Aus 350 Tonnen Stahl entstanden im Münchner Olympiastadion eine künstliche Piste und eine Bühne. +++ Gefühlte 100 Gitarren vernahmen die Zuschauer beim Auftritt der Hives. +++ Etwa 60 Euro kostete ein Stehplatz in der Arena. +++ 30 Seconds To Mars war der erste von drei Musikbeiträgen auf dem Festival. +++ 3 Drumsticks warf Hives-Schlagzeuger Chris Dangerous vor Begeisterung bei seinem Auftritt in die Menge. +++ Auf 2 Kleidungsstücke - Top und Höschen - beschränkten sich die 3 Tänzerinnen bei Sean Pauls Auftritt. +++ 1 Backflip schaffte Daniel Bodin mit seinem Snowmobil, einen Doublebackflip zu schaffen findet er nach eigenen Angaben krank. +++ 0,5 Meter tiefer als gewöhnlich hing Marco Smollas Snowboardhose, als er bei uns zum Interview erschien. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ |
Du würdest also auch die Markenkleidung tragen, wenn dich Dein Sponsor nicht dazu zwingen würde?
(Marco kommt ins Stocken - anscheinend will ihm keine wirkliche Begründung für den Markenwahn der Fahrer einfallen) Irgendwie sind alle Snowboardklamotten Markenklamotten. Es gibt auch billige, aber die sind halt für’n Arsch. Die Snowboardklamotten, die hochwertig sind, sind Markenklamotten.
Neben dem Markenwahn sind auch Partys fester Bestandteil der Snowboardszene. Als ehemals minderjähriger Nachwuchsstar bist du ohne Eltern unterwegs. Da hast du dir doch sicher keine Party entgehen lassen.
Ja. Es gab Mittel und Wege, wie ich auch als Minderjähriger auf Aftershowpartys gekommen bin. Mit 13 war ich das erste Mal auf einer Boarderparty. Ich hatte zwar einen Teammanager dabei, aber der wollte nur selten Papi spielen. Meine Freunde haben dann auf mich aufgepasst.
Du bist im Oktober 18 geworden. Theoretisch kannst du tun und lassen was du willst - wie gehen deine Eltern damit um?
Meine Mutter hat mir immer sehr viel Verantwortung überlassen und mir Freiraum gegeben. Beim Snowboardfahren geht das auch nicht anders: Ich muss viel reisen. Ich sage meinen Eltern zwar immer, wo ich hinfahre, aber ich reise nie mit ihnen, sondern alleine oder mit meinen Freunden. So bin ich auch selbstständig geworden.
Neben dem Boarden gehst Du auch zur Schule. Fehlst du da ständig?
Ich fehle relativ viel. Viele meiner Klassenkameraden finden es schon krass, dass ich das darf. Aber mein Direktor steht voll hinter mir, er gibt mir bei wichtigen Events frei. Nur die Noten müssen stimmen.
Von Deinen Fahrkünsten hast du jetzt auch einen Snowboardfilm gedreht. Welche Motivation steht bei Dir denn hinter dem Schauspielern?
Ich komme dabei in der Welt rum, lerne neue Orte kennen. Außerdem macht es mir Spaß, gefilmt und fotografiert zu werden. Und wenn ich dabei noch Geld verdienen kann - umso besser.
Co-Autorin: Uli Melzer
Erschienen auf: SPIESSER

Das Air & Style ist eines der größten Extremwintersportevents weltweit: